Fordern statt fördern - wie wär's denn mal andersherum?

Ist Dir schon mal aufgefallen, wie oft wir uns gegenseitig als „behindert“ beleidigen? Dabei sollte man dieses Wort nicht als Beleidigung verwenden, denn immerhin sind auch Menschen von einer Behinderung betroffen, die sich das nicht ausgesucht haben. Und ist Dir auch schon aufgefallen, wie oft wir uns eigentlich über Kinder lustig machen, die eine Förderschule besuchen? Dabei wissen die wenigsten von uns, wie der Schulalltag an einer Förderschule überhaupt abläuft - und trotzdem machen wir Witze darüber, auch wenn wir gar nicht wirklich über dieses sensible Thema informiert sind.


Damit wir uns alle mehr mit diesem Thema auseinandersetzen und unsere vermeintlich lustigen Witze überdenken, haben wir eine Bekannte zum Thema Förderschule befragt. Sie hat vorletztes Jahr ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) an einer Förderschule für Kinder mit geistiger Behinderung absolviert.

Es gibt dabei verschiedene Förderschulen mit unterschiedlichen Förderschwerpunkten: für Kinder mit einer Lernbeeinträchtigung, mit einem Sprachdefizit, mit Hör- oder Sehproblemen oder für Kinder mit einer geistigen Behinderung. Auch dort gibt es verschiedene Stufen wie auf einer normalen Schule - und zwar die Grundstufe, die Mittelstufe und die Berufsorientierungsstufe. Die Schüler*innen gehen vier Jahre in die Grundstufe, danach in die Mittelstufe und dann bis zum Alter von etwa 18 bis 20 Jahren in die Berufsorientierungsstufe.


An der Schule besuchen die Kinder den Mathe- und Deutschunterricht, in denen sie entsprechend ihrer Fähigkeiten aufgeteilt werden. Auch im Biologieunterricht bekommen die Schüler*innen unterschiedliche Aufgaben, die individuell an das Kind angepasst werden. Die Unterrichtsstunden werden dabei möglichst anschaulich gestaltet: es werden zum Beispiel Lernspiele oder Bilderkarten verwendet, um den Kindern die Unterrichtsinhalte spielerisch beizubringen.

Im Werkunterricht können die etwas fitteren Kinder beispielsweise etwas aus Holz bauen. Manche brauchen dabei etwas mehr Hilfe, während andere dabei total eigenständig sind. Auch im Schwimmunterricht geht es nicht nur darum, schwimmen zu lernen, sondern auch um das Drumherum: zum Beispiel, dass man vorher duscht und wie man sich im und am Schwimmbecken verhält. Kochen und Backen kommt auch nicht zu kurz: Nachdem die Schüler*innen einkaufen waren, kochen sie gemeinsam in der Schulküche.

Wenn die Kinder Unterstützung im Unterricht, beim Essen oder körperlichen Aktivitäten benötigen, hilft ihnen der Teilhabeassistent. Auch Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie und Reittherapie werden in der Förderschule angeboten. Im sogenannten Snoezelraum gibt es viele sinnesanregende Reize, wie z.B. Lichterketten, bunt leuchtende Wassersäulen oder verschiedene Licht- und Musikeffekte. Dieser Raum wird meist von schwer behinderten Kindern genutzt, um ihre Sinneswahrnehmung anzuregen und um entspannen zu können.


Auch wenn das jetzt nur ein ganz kleiner Einblick in den Alltag an einer Förderschule war, ist es dennoch wichtig, sich weiter über dieses Thema zu informieren und keine Witze darüber zu machen. Wir alle haben eigene Probleme und auch Fehler, auf die wir selbst nicht gern angesprochen werden wollen. Also sollten wir auch Menschen mit Behinderung den Respekt entgegenbringen, sie nicht allein auf ihre Einschränkungen zu reduzieren. Jeder Mensch verdient Wertschätzung - egal ob mit oder ohne Behinderung.


Emily


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