„Ich wollte auch kein „Fachidiot“ werden“ – im Interview mit Herrn Dr. Schulz

Herr Dr. Schulz ist seit dem Jahr 2016 Lehrer an unserer Schule und unterrichtet die Fächer Biologie und Chemie. Außerdem ist er Ansprechpartner für sexualisierte Gewalt und Beauftragter für "Digitale Schule". Im Interview haben wir mit ihm über sein Leben als Schüler, seine Fächerwahl und über die Präventions- und Interventionsarbeit zum Thema sexualisierte Gewalt gesprochen.


Lieber Schleimer:in oder Klassenclown?

Ich mag die Klassenclowns lieber - sie sind zwar manchmal nervig, aber manchmal auch echt witzig. Schleimer:innen dagegen finde ich immer nervig.


Lieber Biologie oder Chemie?

Das hat sich geändert: Ich habe nach dem Studium in der Chemischen Forschung gearbeitet und deshalb dachte ich immer, ich würde lieber Chemie unterrichten. Dann kam ich an die Schule und habe in meinem ersten Jahr fast nur Biologie unterrichtet. Und da fühle ich mich mittlerweile auch sehr wohl. Ich hatte jetzt drei Mal einen Bio-Leistungskurs und das hat mir großen Spaß gemacht. Zurzeit unterrichte ich also beide Fächer gleich gern.


Wie waren Sie selbst als Schüler?

Mir ist die Schule nicht so schwergefallen. Ich glaube, ich war ein ganz guter Schüler und wahrscheinlich eine Mischung aus Schleimer und Klassenclown. Ich habe auch schon mal Grenzen ausgetestet, aber dabei vielleicht nicht allzu sehr übertrieben.


Waren Ihre Lieblingsfächer damals auch schon Bio und Chemie?

Ich mochte Bio und Chemie, aber z.B. auch Deutsch und Ethik.


Wenn Sie für einen Tag noch einmal Schüler wären, was würden Sie dann machen?

Ich kann mich noch daran erinnern, dass wir früher an meiner alten Schule auch so eine Art ZumBiss hatten. In den Freistunden haben wir uns immer etwas zu essen geholt und Karten gespielt - daran habe ich viele schöne Erinnerungen. Ich habe auch an den Unterricht tolle Erinnerungen, aber am schönsten war es, dass man jeden Tag seine Freunde sehen konnte. Das ist später nach der Schule nicht mehr so - man lernt dann zwar auch noch neue Leute und Freunde kennen, aber diese Freundschaften sind nicht so intensiv wie die während der Schulzeit.


Was würden Sie heute Ihrem Schüler-Ich raten?

Ich würde ihm raten, nicht alles so ernst zu nehmen und sich nicht immer so einen Stress zu machen.


Gab es in Ihrer Schulzeit Lehrkräfte, die Einfluss auf Ihr weiteres Leben hatten und wenn ja, inwiefern?

Ja, auf jeden Fall. Ich hatte zum Beispiel einen tollen Lehrer in Biologie. Vermutlich hatte ich sehr viel Glück mit meinen Lehrkräften. Ich hatte auch sehr tolle Chemie-Lehrer - Herr Dr. Kaplonek war übrigens einer davon. Wir haben im Unterricht spannende Sachen gemacht und der Spaß daran hatte definitiv auch Einfluss auf meine Berufswahl.


Wollten Sie schon immer Lehrer werden?

Ich wollte gern etwas mit Biologie und Chemie machen, aber auch kein “Fachidiot” werden, der nur in seiner eigenen Welt lebt und ständig erklären muss, was genau er eigentlich macht. Außerdem hat mir die Arbeit mit Menschen immer viel Spaß gemacht – daher ist der Beruf als Lehrkraft eine gute Kombination aus beidem: Man eignet sich Wissen über Bio und Chemie an, vertieft es und vermittelt das dann an die Schüler:innen.


Was begeistert Sie an diesem Beruf?

Der Beruf als Lehrer ist sehr vielfältig. An einer Gesamtschule unterrichtet man die Jahrgänge fünf bis dreizehn und auch unterschiedliche Schulformen, weshalb man auch verschiedene Themen lehrt. Außerdem ist das Unterrichten nur ein kleiner Teil vom Lehrersein. Es gibt natürlich auch Dinge, die nicht so viel Spaß machen, wie zum Beispiel das Korrigieren von Klausuren. Die Prüfungsphase ist für uns Lehrkräfte fast genauso lästig wie für euch als Schülerinnen und Schüler: Die nervt uns mindestens genauso wie euch das Schreiben.


Welche Arbeiten korrigieren Sie am liebsten und welche schieben Sie eher auf?

Biologie-Arbeiten lassen sich nicht so schnell korrigieren wie Chemie-Arbeiten. Deshalb korrigiere ich Arbeiten in Chemie etwas lieber.


Macht man sich als Lehrkraft bei einem schlechten Notenspiegel Gedanken darüber, ob es an der eigenen Unterrichtsart liegen könnte?

Ja, auf jeden Fall. Man muss sich dann genau überlegen, ob man die Themen auch so vermittelt hat, dass es die Schülerinnen und Schüler verstanden haben.


Welche Themen unterrichten Sie am liebsten, welche eher weniger?

Der Anfangsunterricht in Chemie macht mir viel Spaß, weil die Schülerinnen und Schüler zu diesem Zeitpunkt noch richtiges Interesse am Fach zeigen, da man zu Beginn viele Experimente machen kann. Außerdem unterrichte ich sehr gern in der Oberstufe, dort kann man fachlich auch mal richtig in die Tiefe gehen.


Möchten Sie, dass Ihre Kinder in den Fächern, die Sie selbst unterrichten, besonders gut sind?

Nein, also ich versuche schon, meine Kinder für das zu begeistern, was ich selbst toll finde. Ich fände es aber nicht schlimm, wenn sie sich nicht dafür interessieren würden.


Sie sind außerdem Ansprechpartner bei Vorfällen, die im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt stehen. An wen können sich die Schülerinnen und Schüler noch wenden?

Also ich bin die offizielle Ansprechperson, bin aber nicht alleine. Wir haben ein Innerschulisches Unterstützungsteam, in dem auch Frau Dietze, Frau Schulte, Frau Blum und Frau Maentel-Pogodsky sind. Wir beraten und unterstützen gemeinsam.


Wie läuft das ab, wenn man sich bei derartigen Problemen an Sie wendet?

Die Schülerinnen und Schüler können sich an uns oder ihre Vertrauenspersonen (z. B. Klassenlehrer, Lieblingslehrer oder die SV) wenden, wenn sie nicht wissen, mit wem sie über bestimmte Dinge sprechen sollen oder auch nicht wissen, wie sie aus einer bestimmten Situation wieder herauskommen können. Aber auch Lehrkräfte und Eltern können sich an uns wenden.


Was passiert dann nach einem solchen Gespräch?

Wir hören erst einmal genau zu. Was danach passiert, hängt ganz stark von der jeweiligen Situation ab. Dadurch, dass wir ein Team und gut vernetzt sind, konnten wir den Betroffenen bislang immer helfen und Auswege aus manchmal sehr schwierigen Situationen finden. In manchen Fällen lassen wir uns dabei auch von Beratungsstellen unterstützen. Natürlich sprechen wir unser Vorgehen immer mit den Betroffenen ab.


Vielen Dank für Ihre ausführlichen und ehrlichen Antworten.

 

Das Interview führten Kate und Victoria.