"Diese ganzen Gerüchte finde ich schlecht" - im Interview mit Herrn Koslowski

Herr Koslowski ist seit dem Jahr 1999 Lehrer an der Jakob Grimm Schule für die Fächer Physik und Mathe. Er unterstützt uns als betreuende Lehrkraft in der Schülerzeitung und ist seit zehn Jahren Gymnasialzweigleiter – dieses Amt legt er jedoch zum Ende des Schuljahres nieder. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, welche Aufgaben man als Gymnasialzweigleiter zu bewältigen hat, warum er sein Amt abgibt und haben erfahren, welchen Stellenwert Nachhaltigkeit in seinem Leben einnimmt.



Herr Koslowski, Sie sind nun seit gut zwanzig Jahren Lehrer an der JGS und haben damit auch einige Schülergenerationen erlebt. Hat sich in diesen zwanzig Jahren etwas verändert?

Obwohl es einige sagen, finde ich, dass sich in Bezug auf die Schüler:innen nichts verändert hat – die sind immer noch die Gleichen. Allerdings hat sich meine Sichtweise verändert: Man sieht die Dinge viel gelassener, wenn man sie schon häufiger erlebt hat. Ganz nach dem Motto: Old and wise.


Seit zehn Jahren sind Sie nun schon Gymnasialzweigleiter – welche Aufgaben haben Sie mit diesem Amt?

Die Stelle des Gymnasialzweigleiters ist sehr umfangreich. Ich bin verantwortlich für die Organisation des Gymnasialzweiges – dabei koordiniere ich die ganzen Einwahlen beispielsweise für den Wahlpflichtunterricht oder die zweite Fremdsprache. Auch die Berufsorientierung im Gymnasialzweig fällt unter meine Aufgaben: Dort organisiere ich die ganzen Praktika in den einzelnen Jahrgängen. Dazu führe ich jeden Tag viele Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen im Lehrerzimmer über unterschiedlichste organisatorische Themen und arbeite so auch eng mit den Klassenlehrer:innen zusammen.

Zusätzlich kümmere ich mich noch um die Schülerzeitung und bin schulischer Mitarbeiter im Sozialen Netz Alheim-Rotenburg, das ein Zusammenschluss aus Gemeinde, Stadt, Kirchenkreis und Schule ist, der mit externen Sozialarbeiter:innen zusammenarbeitet. Darüber wird unter anderem auch das Juggern organisiert und ich fahre jährlich mit zu den Deutschen Jugger-Meisterschaften.

Ach – und dann gebe ich aktuell noch 15 Stunden (eigentlich 20) Unterricht (lacht).


Das ist ein ziemlich umfangreiches Aufgabenfeld – welche Aufgaben waren dabei in den zehn Jahren am schwierigsten zu bewältigen?

Es gibt viele Aufgaben, die mir vom Ministerium, dem Schulamt und der Schulleitung verordnet werden und die bestenfalls so umgesetzt werden sollen, dass sie sowohl den Lehrkräften als auch von der Schüler- und Elternschaft akzeptiert werden. Das ist nicht unbedingt immer so einfach.


Ist der Druck durch die Pandemie noch größer geworden, solche Verordnungen möglichst gut umzusetzen?

Die Pandemie erschwert das Ganze. Eigentlich regele ich viele Dinge durch Gespräche mit anderen - genau das hat eben durch die Pandemie gefehlt und auch so manche Organisation erschwert.

Stehen Sie als Gymnasialzweigleiter dabei auch mit dem Kultusministerium in Kontakt?

Nein, sehr selten. Als ich die Umstellung von G9 zu G8 und wieder zurück koordiniert habe, war ich schon manchmal bei Konferenzen in Wiesbaden. Ansonsten habe ich eher weniger direkten Kontakt zum Kultusministerium.


Teilweise sind Sie bekannt dafür, ein Verfechter von G8 zu sein. Was befürworten Sie an G8?

Ich bin ein Verfechter davon, beide Formen anbieten zu können. Ich glaube, es gibt mehr Schüler:innen (zumindest mehr als von ihnen selbst und den Eltern angenommen), die mit G8 gut klar kommen und auch keine dreizehn Jahre Schule brauchen würden – und das eben mit ähnlich guten Leistungen wie die G9-Schüler:innen. Es gibt aber eben auch andere Kinder, die die dreizehn Jahre benötigen. Der Modellversuch, als man an der JGS die Wahl zwischen G8 oder G9 hatte, war eine gute Chance, beide Modelle zu haben. Dieser Versuch wurde aber beendet, da das Interesse an G8 zu gering war. G8 für alle ist jedoch Unsinn – es gibt einfach Schüler:innen, die da nicht mithalten könnten. Zu diesem Thema kann man aber auch ganze Bücher schreiben.


Nicht nur der Austausch zu anderen Lehrkräften ist ein wichtiger Bestandteil Ihres Amtes, sondern auch der Austausch in der Schulleitung. Wie verläuft eine solche Schulleitungsrunde?

Die Schulleiterin lädt zu einer solchen Konferenz ein und die einzelnen Tagesordnungspunkte werden abgearbeitet, besprochen und manchmal werden auch Dinge beschlossen. Früher fand diese Konferenz wöchentlich statt, mittlerweile eher nur noch dann, wenn Bedarf besteht. Ich finde allerdings, dass es immer Dinge gibt, die besprochen werden können - daher ist es auch manchmal problematisch, wenn dann mal drei Wochen lang keine Konferenz stattfindet, da dann die Abstände zu groß werden.


Wie ist die Atmosphäre in der Schulleitung?

Die Stimmung ist eher ambivalent – mit einigen Leuten kann man dort gut und herzlich voller Spaß zusammenarbeiten. Manchmal gibt es aber auch Situationen, die keinen Spaß machen und die eher formal-dienstlich und kühl verlaufen.


Das gleicht ja schon beinahe der Situation in einer Klasse.

Im Prinzip ist es wie eine Klasse – wir werden nur besser bezahlt.

Wieso geben Sie Ihr Amt auf?

Der Druck zur Umsetzung ist immens und wird aus meiner Sicht immer größer, während die Unterstützung, die wir erhalten, meines Erachtens immer kleiner wird. Aus gesundheitlichen Gründen habe ich mich auch dazu entschieden, mehr auf mich selbst zu achten. Zehn weitere Dienstjahre würde ich mit diesem Druck vermutlich so nicht mehr durchstehen. Auch, wenn es mit den anderen Lehrkräften und der Schülerschaft mal Konflikte gibt, werden diese schnell gelöst und alles ist wieder gut. Vor allem die Zusammenarbeit mit den Klassenlehrer:innen, die für mich als Zweigleiter essenziell ist, verläuft sehr gut. Die Zusammenarbeit mit höherstehenden Institutionen und Personen gestaltet sich dagegen jedoch erheblich schwieriger und ich hätte mir da mehr Unterstützung „von oben“ gewünscht.


Wie fielen die Reaktionen Ihrer Kolleginnen und Kollegen auf Ihren Rücktritt aus? Waren einige traurig?

Traurig ist vermutlich das falsche Wort, doch einige haben gesagt, dass sie es schade fänden.


Gibt es schon Überlegungen, wer dann Ihren Posten übernimmt?

Nein, das obliegt der Schulleitung.


Würden Sie stattdessen gern ein anderes Amt in der Schule übernehmen wollen?

Jein - ich würde gern weiterhin die Schülerzeitung betreuen und auch im Sozialen Netz aktiv bleiben. Ich möchte also kein neues Amt übernehmen, sondern die Aufgaben weiterführen, die eigentlich nicht zum Amt eines Gymnasialzweigleiters gehören, die ich aber gern nebenbei gemacht habe und auch noch weiterhin machen möchte.


Sie selbst haben uns nach einem Interviewtermin gefragt - Wieso wollten Sie Ihre Entscheidung über die Schülerzeitung publik machen?

Mein Ziel war es, eine Plattform zu finden, über die ich der Schülerschaft mitteilen kann, dass ich kein Gymnasialzweigleiter mehr sein werde. Die Lehrkräfte und die Schulleitung wissen das seit Ostern, um sich um eine entsprechende Nachfolge zu kümmern. Auf der Schulelternbeiratssitzung werde ich meinen Rücktritt auch noch publik machen, damit es alle Gruppen an der Schule erfahren haben. Eine offene Kommunikation ist hier wichtig, damit alle Bescheid wissen - diese ganzen Gerüchte, die sonst entstehen könnten, finde ich schlecht.


Mit Ihrer Entscheidung verändern Sie einen großen Aspekt in Ihrem Leben als Lehrer – aber auch privat haben Sie etwas verändert: Sie fahren seit einiger Zeit ein E-Auto. Wie kam es zu der Entscheidung, ein E-Auto zu kaufen?

Ich habe schon immer gesagt, dass mein nächstes Auto ein E-Auto sein soll. Hinsichtlich der CO2-Emissionen war es für mich die bessere Wahl – sicherlich gibt es bei den E-Autos auch kritische Aspekte. Mein altes Auto hätte eigentlich noch gar nicht verkauft werden müssen - da es aber die Kaufprämie für Elektroautos gibt, mein alter Wagen noch Geld erbrachte und das Automobilunternehmen gute Preise für E-Autos bot, war diese Anschaffung für mich sowohl ökonomisch als auch ökologisch interessant. Es gefällt mir auch super.

Ich lade das Auto über eine Steckdose an meinem Haus – wir haben zwar keine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach, da es zu klein ist, aber meine Frau und ich besitzen einen Solarbaum in einem Solarpark in der Nähe von Dresden. Mein Auto selbst fahre ich auch mit Öko-Strom. Seit wir das Haus gebaut haben, beziehen wir unseren Strom von einem Anbieter, der es sich zur Pflicht gemacht hat, die Energieversorgung auf Basis erneuerbarer Energien zu gewährleisten.

Auch unser Haus haben wir nachhaltig bauen lassen – wir haben ein Holzrahmenbauhaus mit gut gedämmten Außenwänden, wodurch unsere Heizkosten sehr gering sind. Wir sind auch an die zentrale Wärmeversorgung der Gemeinde angeschlossen – unser Heizkraftwerk wird mit Hackschnitzeln angetrieben, was nachhaltiger als konventionelle Heizmethoden ist.


Es ist beeindruckend, wie stark der Aspekt Nachhaltigkeit in Ihr Leben integriert ist. Möchten Sie das auch an die Schüler:innen weitergeben?

Im Wahlpflichtbereich möchte ich an der Schule in Zukunft eine AG mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit anbieten - durch den Ausbau von Pro-NAWI ist uns etwas der Aspekt der Nachhaltigkeit abhandengekommen, aber das würde ich an der Schule gern wiederbeleben, weil es immens wichtig für uns alle ist.


Vielen Dank für Ihre ausführlichen und ehrlichen Antworten.

Das Interview führten Kate, Victoria und Sophie.


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