"Läuft bei Dir?!" - Warum so verklemmt?

„Sieht man was?“

„Lauf‘ mal vor.“

„Und?“

„Ne, alles gut.“


Nahezu jedes Mädchen kennt diese Situation: man steht nach einer Doppelstunde auf und hat plötzlich das ungute Gefühl, dass da unten etwas daneben gelaufen ist.


Bei vielen reicht allein schon das Wort „Periode“ aus, um möglichst schnell das Gesprächsthema zu wechseln. Dabei ist es etwas ganz Normales und jedes Mädchen ist früher oder später davon betroffen. Als einige Mädchen in meinem Freundeskreis verschämt über ihre erste Periode berichteten, fing ich langsam an, mir Gedanken darüber zu machen: Was ist, wenn ich meine Tage unerwartet in der Schule bekomme? Was ist, wenn es mir nicht sofort auffällt, dass ich einen Blutfleck an der Hose habe? Und was ist, wenn die anderen mich deswegen auslachen?

Doch genauso sollte es eigentlich nicht sein, denn wir alle sollten mit dem Thema viel offener umgehen und uns nicht dafür schämen müssen. Denn am Anfang ist es sicherlich für jedes Mädchen komisch, mit den Freundinnen oder der Mutter darüber zu reden, obwohl sie eigentlich auch die gleichen Probleme haben.


Jeden Monat sind es die Bauchschmerzen, wegen denen wir am liebsten gleich im Bett liegen bleiben würden und die manche von uns auch nur mit Schmerzmitteln ertragen können. Aber auch die ständige Angst, mit einem Blutfleck an der Hose rumzulaufen, ist nicht gerade toll – jedes Mal sind wir auf der Suche nach einer mehr oder weniger sauberen Toilette, um zu schauen, ob wirklich noch alles passt. Als Mädchen ist man dabei so sehr eingeschränkt, dass man versucht, sich immer in der Nähe eines Klos aufzuhalten – nur dass das nicht immer so einfach ist. Wenn wir zum Beispiel lang in der Stadt unterwegs sind oder im Zug sitzen, kann es schwierig werden, immer rechtzeitig ein sauberes Klo zu finden. Auch wenn uns mit der Verwendung von Tampons, Menstruationstassen oder ähnlichem eigentlich Sicherheit gegeben werden soll, kann trotzdem immer mal wieder etwas danebengehen – und das fällt einem meistens erst dann auf, wenn es eh schon zu spät ist: so wie es mir erst vor Kurzem passiert ist, als ich zu spät bemerkt habe, dass ich einen Blutfleck auf einem gelben (!) Stoffbezug (!!) eines Stuhls hinterlassen hatte. Auch wenn im Sommer alle ins Schwimmbad fahren, lassen wir uns meistens Ausreden einfallen, damit wir beim Schwimmen unangenehmen Situationen aus dem Weg gehen können.


Nicht nur während der Periode leiden wir unter den unterschiedlichsten Beschwerden, sondern auch einige Tage vor der Menstruation müssen wir uns mit unschönen Symptomen herumplagen: auch PMS (prämenstruelles Syndrom) genannt. Dazu können unter anderem Hautunreinheiten („Och, ich sehe ja wieder aus wie ein Streuselkuchen“), Heißhunger („Hab zwar eben `ne Pizza gegessen, aber Nutella geht trotzdem noch“) oder auch Stimmungsschwankungen („eben gerade war ich noch fröhlich, jetzt könnt‘ ich heulen und gleich bin ich wieder genervt von allem“) zählen.


Als wäre das alles noch nicht genug, wird nur selten offen über das Thema gesprochen. Es beginnt schon beim Einkaufen: obwohl Tampons oder Binden ganz normale Produkte sind, ist es trotzdem manchmal ein komisches Gefühl, diese auf das Kassenband zu legen. Stattdessen kaufen wir also noch Produkte, die wir eigentlich gar nicht brauchen – nur damit es nicht ganz so sehr auffällt, dass wir vielleicht gerade unsere Tage haben. Auch wenn man mal keine Hygieneartikel zur Hand hat und man daher ein anderes Mädchen um Hilfe bittet, fragen wir nicht ganz normal danach, sondern flüstern so leise, dass es auch ja niemand mitbekommt. Und wenn man es dann nach den ganzen komischen Situationen auf das Mädchenklo geschafft hat, wird die Bindenverpackung wieder nur dann möglichst leise und unauffällig aufgerissen, wenn auf dem Nachbarklo die Spülung betätigt wird, damit niemand etwas hört, obwohl wir ja eh unter Mädchen sind.


Wenn man sich mal überlegt, dass wir das Ganze jeden Monat aufs Neue durchstehen müssen und das im Durchschnitt 37 Jahre lang, kommen wir in unserem ganzen Leben auf ungefähr 480 Perioden, was bedeutet, dass wir etwa sechseinhalb Jahre unseres Lebens bluten! Und das ist nicht gerade billig: Die Tampons einer bekannten Marke kosten pro Stück circa 6 Cent, während Binden bei ungefähr 14 Cent liegen. Rechnet man die Menge an Hygieneartikel auf eine Periode hoch, kommt man auf gut 2€ (20 Stück x im Mittel 10 ct). Natürlich variiert die Menge an Hygieneprodukten von Frau zu Frau und nicht jede verwendet die gleichen, aber zu diesen 2€ kommen noch die Kosten für Schmerzmittel, Unterwäsche oder anderes. Eine britische Studie kam zu dem Ergebnis, dass Frauen in ihrem ganzen Leben mehr als 20.000€ für die Periode ausgeben (Studie). Es ist kein Wunder, dass einige Frauen auf der ganzen Welt unter „Periodenarmut“ leiden, wenn man bedenkt, wie viel das alles kostet. Die Unmengen an Hygieneartikel stellen auch eine Belastung für die Umwelt dar: eine Frau verbraucht in der Regel (haha!) in ihrem ganzen Leben zwischen 10.000 – 17.000 Tampons oder Binden. Mittlerweile gibt es jedoch auch nachhaltigere Alternativen, wie Menstruationstassen, die wiederverwendet werden können (hört sich erst mal komisch an, aber ist immerhin einen Versuch wert).


Auch wenn wir hier noch so verklemmt mit dem Thema umgehen, können wir uns glücklich schätzen, in einer Gesellschaft zu leben, in der man deswegen nicht ausgegrenzt wird. In manch anderen Ländern müssen Mädchen während ihrer Periode zu Hause bleiben, weil sie sich etwa keine Hygieneartikel leisten können. In Nepal werden Frauen sogar in „Menstruationshütten“ verbannt, da sie als unrein gelten (Spiegel) und muslimische Frauen dürfen währenddessen zwar die Moschee betreten, aber nicht beten, weil die Frauen zu dieser Zeit an Schmerzen (Unterleibsschmerzen) leiden und somit vom Beten "erlöst" sind.


Wir verlangen zwar von niemandem, endlose Gespräche über das Thema Periode zu führen, aber ein bisschen mehr Offenheit täte uns allen ganz gut (ja, auch ihr Jungs und Männer seid gemeint). Immerhin hat jede Frau damit zu tun – dann müssen wir das Thema nicht auch noch totschweigen.


Johanna & Sophie

GIF via Giphy

  • Weiß Instagram Icon
JGS_Logo_weiß.png

Mit freundlicher Unterstützung durch den Förderverein der Jakob Grimm Schule

Ihr könnt euch jederzeit mit Kritik, Ideen und Kommentaren an uns wenden: schuelerzeitung.jgs-rof@web.de

© 2020 Klartext. Onlineschülerzeitung -  Wix.com

  • Weiß Instagram Icon