„Sie sind wie eine kleine Familie für mich“ – im Interview mit Herrn Hein

Herr Hein ist seit fast 3 Jahren Lehrer an der Jakob Grimm Schule und unterrichtet die Fächer Mathematik, Geschichte, Sport, Politik und Wirtschaft. Im Interview mit ihm haben wir über die Benotung, das Schulsystem und sein Verhältnis zu Schülerinnen und Schülern gesprochen.

Lieber Schleimer:in oder Klassenclown?

Klassenclown.


Lieber Pause oder Unterricht?

Unterricht.


Lieber Klassenfahrt oder Projektwoche?

Beides.


Lieber Auenlauf oder Bundesjugendspiele?

Bundesjugendspiele.


Fangen wir bei Ihrer eigenen Schulzeit an: Wie waren Sie selbst als Schüler?

Ich war in der Grundschule sehr ehrgeizig, perfektionistisch und ein totaler Gerechtigkeitsfanatiker. Es war auch nicht immer so einfach mit mir. Meine Noten waren immer ganz gut - allerdings gab es im Laufe meiner Schulzeit auch mal so richtig schlechte Phasen.


Wenn Sie für einen Tag nochmal Schüler wären, was würden Sie dann machen?

Ich würde die tollen Sportangebote - wie den Roten Platz zum Basket- und Fußball spielen, die neue Slackline oder die Tischtennisplatten - nutzen. Außerdem würde ich Quatsch mit Freunden machen und auch mal auf dem Waldsofa in der Sonne chillen.


Wenn Sie heute Schüler wären und sich selbst als Lehrer hätten – wie würden Sie dann als Schüler über Sie als Lehrperson denken?

Ich würde vermutlich denken, dass ich so bleiben soll, wie ich bin, aber manchmal ruhig ein bisschen konsequenter sein könnte.


Wollten Sie schon immer Lehrer werden?

Nein, ich habe mich lange ausprobiert. Die Vorstellung Schule, Studium und dann wieder Schule war mir zu romantisch. Ich hatte eigentlich schon immer Lust, als Hauptschullehrer zu arbeiten. Jedoch habe ich erstmal in verschiedenen Bereichen der Gastronomie und in einer Trademarketingagentur gearbeitet, bevor ich dann doch Lehrer geworden bin.


Und was begeistert Sie heute an Ihrem Beruf?

Ich mag es, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, mit ihnen Ideale wie persönliche Werte und Verantwortung zu entwickeln. Zudem begeistert mich diese Vielfalt. Ich darf als Lehrer ausprobieren, organisieren, erziehen, beraten und einschätzen. Dabei kann ich flexibel sein und mich auch in Reflexion und Selbstkritik üben. Außerdem habe angenehme Kolleginnen und Kollegen und kann mit Ihnen Schule und Unterricht gestalten und on top draußen im Rahmen des Sportunterrichts viele Aktivitäten selbst mitmachen.


Ein großer Bestandteil des Alltags von einer Lehrkraft ist natürlich unter anderem auch die Benotung - wie objektiv können Ihrer Meinung nach Noten vergeben werden?


Darf ich das sagen? Ich bin kein Fan von Noten.

Man setzt zwar Kriterien an, aber ich weiß, dass Noten auch subjektiv sein können. Es gibt unter den Schülerinnen und Schülern die einen, die sich sehr anstrengen und es trotzdem nicht gut hinbekommen und es gibt die anderen, die sich auf die faule Haut legen und dennoch top Noten schreiben. Das in einer Zahl auszudrücken finde ich nicht immer so leicht.


Haben Sie eine besondere Routine beim Kontrollieren von Arbeiten?

Nein, gar nicht. Ich bin ja noch nicht so lange Lehrer, weshalb ich auch noch nicht so viele Arbeiten kontrolliert habe.


Welche Themen unterrichten Sie am liebsten und welche eher nicht?

Was ich gerne unterrichte sind Themen über alte Kulturen wie Ägypter oder Griechen, das Mittelalter und Entdecker, aber auch Bereiche der neueren Geschichte. Elemente die heute noch erkennbar und greifbar sind. Ich würde gerne auch andere Themen unterrichten als es der Lehrplan hergibt, zum Beispiel Piraten oder Wikinger, das erinnert mich an meine Kindheit. In Mathe mag ich Brüche und Gleichungen, zeichnerische Elemente, Formen und Figuren. Es gibt aber in allen Kernthemen Bereiche, die schon als Schüler nicht so mein Ding waren wie Strahlensätze, Logikrätsel und vor allem Stochastik.


In welchem Alter sind die Schüler:innen am nervigsten?

In der 8. Klasse. Da würde ich mir manchmal wünschen, dass sie nicht so häufig in der Schule wären und andere Angebote wahrnehmen.


Wachsen Ihnen manche der Schüler:innen oder auch ganze Jahrgänge ans Herz?

Na klar! Meine Schüler:innen der Abschlussklassen vermisse ich schon ein bisschen und die jetzigen Klassen, aber vor allem meine Klasse ist mir schon sehr sehr ans Herz gewachsen.


Sie sind wie eine kleine Familie für mich.

Was war Ihre furchtbarste Unterrichtsstunde und warum?

Die war letztens in Mathe: Du bist motiviert, vorbereitet, vereinfachst und erklärst nochmal, gestaltest verschiedene Tafelbilder und am Ende der Stunde sagt jemand: Ich hab‘ es nicht verstanden… Da denkt man: Verdammt… und fragt sich natürlich, ob es an einem selbst liegt.


Wurden Sie schon mal von einem Schüler oder einer Schülerin beleidigt?

Nein, ich habe da aber auch ein dickes Fell und nehme manches gar nicht als Beleidigung wahr. Ich arbeite im Hauptschulzweig - da spricht man manchmal auch anders im Umgang miteinander.


Wie stehen Sie zu unserem Schulsystem? Gibt es Verbesserungsbedarf?

Ja, ich würde es besonders gut finden, wenn die Klassen kleiner oder das Personal doppelt gesteckt wären. Außerdem finde ich die oft streng geregelten Unterrichtszeiten von 8.00 bis 13.00 Uhr diskutabel. Eine Entzerrung des Schulalltags fände ich - wie mehr praktische Unterrichtseinheiten - besser oder nach Interessen gemischte Kursangebote, die auch Haupt-, Real- und Gymnasialschüler:innen mehr mischen würden.

Wie und womit verbringen Sie Ihre Pausen?

Entweder im Klassenzimmer, wenn ich mich mit meiner Kolleginnen aus der Parallelklasse unterhalte, Aufgaben erledige, die liegen geblieben sind oder mich für die nächste Stunde organisiere. Wenn ich unbedingt eine Tasse Kaffee trinken will, bin ich auch im Lehrerzimmer und unterhalte mich dort mit Kollegen:innen.

Und was geht so im Lehrerzimmer ab?

Es ist eigentlich sehr unspektakulär: Man kann für sich sein, trifft verschiedene Kollegen und Kolleginnen, tauscht private Dinge aus, lacht gemeinsam oder diskutiert über aktuelle schulische und gesellschaftliche Themen. Man freut sich oder spricht über die ein oder andere einzelne Schüler:in oder Klasse, wenn gerade etwas vorgefallen ist. Ab und zu ist es laut und ein einziges Chaos, aber manchmal geht auch jeder den eigenen Aufgaben nach.


Wird im Lehrerzimmer über Schüler:innen gelästert?

Ich würde das jetzt nicht Lästern nennen - man unterhält sich aber natürlich über sie, was eben manchmal in einem besseren und manchmal in einem schlechteren Sinne geschieht.


Vielen Dank für Ihre ausführlichen und ehrlichen Antworten.


Das Interview führten Emily, Leonie und Maja.

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