Zusammenhalt trotz Corona - Abschluss mal anders

Jahrelange Vorbereitung, intensives Lernen und dann noch die Angst, bei den bevorstehenden Prüfungen nicht den eigenen Erwartungen zu entsprechen. Dies ist der eigentliche Ablauf, welchen die Schüler*innen erleben, wenn es um die Vorbereitung auf die Prüfungen der Abschlussklassen geht. Doch dieses Jahr war plötzlich alles anders. Zu der Prüfungsangst kam nach der Bekanntgabe der Schulschließung aufgrund von Covid-19 zusätzlich auch noch die Ungewissheit, ob die lange Vorbereitung nun doch umsonst war. „Wir haben alle bis zur letzten Prüfung mitgezittert, dass jetzt auch alle Prüfungen stattfinden konnten“, war die Aussage einer Abiturientin. Aufgrund dieser Situation haben wir Schüler*innen und Lehrer*innen interviewt, um verschiedene Meinungen zu jener besonderen Prüfungssituation einzuholen.


Wie sah es mit der Aufregung aus?


Stress, Angst und Nervosität – das sind wahrscheinlich die Stichworte, die einem als erstes unter den gegebenen Umständen der Schulschließung in den Sinn kommen würden. Doch war es wirklich so? Tatsächlich gingen bei dieser Frage die Meinungen auseinander. Während die einen unter dem „normalen“ Prüfungsdruck litten oder sich sogar durch die individuelle Vorbereitung entspannter fühlten, konnten andere natürlich nicht leugnen, dass zweifellos eine Unsicherheit aufgrund der Ungewissheit über das Stattfinden der Prüfungen oder der Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe vorhanden war. Trotzdem habe Hessen laut Aussage einer Abiturientin die richtige Entscheidung getroffen, die Prüfungen wie gewohnt durchzuführen und nicht eine undurchsichtige Prüfungsverschiebung zu schaffen.

Auch aus Sicht der Lehrer war der Aspekt der Nervosität wie auch in den letzten Jahren vorhanden, jedoch gab es die zusätzliche Angst, mit dem Ausfall der Prüfungen umsonst gelernt zu haben, die sich aber zum Glück nicht bewahrheitete.


Prüfungen, ja oder nein? – Eure/Ihre Meinungen


In dieser Hinsicht waren sich alle einig: Die Prüfungen stattfinden zu lassen, war definitiv die richtige Entscheidung. Da sich lange und intensiv darauf vorbereitet wurde, war die Erleichterung groß, dass die Prüfungen wenigstens halbwegs gewohnt durchgeführt werden konnten.


Vorbereitung, Pläne, … gab’s das überhaupt?


In Bezug auf die Frage, wie gut die Schülerinnen und Schüler vorbereitet waren, muss zwischen Realschüler*innen und Abiturient*innen differenziert werden.

Durch die bereits abgelegten mündlichen Prüfungen und die zusätzliche Begrenzung des Unterrichts auf die prüfungsrelevanten Fächer (Mathe, Deutsch und Englisch) hatten die Realschulklassen den großen Vorteil, sich nur auf die schriftlichen Prüfungen konzentrieren zu müssen, wodurch sich ein größeres Gefühl der Sicherheit verbreitete.

Im Gegensatz dazu hatten die Abiturient*innen sowohl die schriftlichen als auch die mündlichen Prüfungen abzulegen. Dabei waren sich Lehrer*innen und Abiturient*innen einig, dass die Problematik im mündlichen Bereich definitiv höher war als die im Schriftlichen, was vor allem daran lag, dass die Kommunikation nicht wie gewohnt in der Schule stattfinden konnte, sondern sich auf E-Mail-Verkehr und später auch auf einzelne persönliche Gespräche beschränkte.

„Das war blöd“, äußerte sich Herr Heinzerling etwas verärgert, weil die richtige Betreuung und Vorbereitung auf das mündliche Abitur nicht wie gewohnt möglich gewesen sei. Trotz der aufwendigen Planung und kleineren Problemen gingen die Prüfungen aber nahezu reibungslos vonstatten.

Und auch wenn vereinzelt der Wunsch nach etwas mehr Unterstützung bestand, so merkte Wiebke Schuchardt aus der Q4 dennoch an: „Ich kann guten Herzens sagen, dass sie sich da wirklich in‘s Zeug gelegt haben.“


Also doch alles wie immer?


Trotz der guten Planung können die Prüfungen dieses Jahr auf jeden Fall als außergewöhnlich beschrieben werden. Eine Reihe von Hygienemaßnahmen sorgte dafür, dass sich die Schüler*innen auf einen etwas anderen Abschluss einstellen mussten.

Neben der erst nach den Osterferien eingeführten Maskenpflicht und dem zur Verfügung gestellten Desinfektionsmittel sowie der Seife hatten die Abiturient*innen vor Beginn der schriftlichen Prüfungen die Pflicht, mit einer Unterschrift zu bestätigen, dass sie keine Corona-Symptome aufweisen. Natürlich mussten auch die Abstandsregeln sowohl in den Klassenräumen als auch außerhalb eingehalten werden, was unter anderem von der Polizei und den Lehrkräften streng kontrolliert wurde. Jedoch war es bei den Real- und Hauptschüler*innen aufgrund der hohen Schüleranzahl in dem Prüfungsflur schwierig, diesen Regeln nachzukommen. Problematisch war außerdem die Gruppenbegrenzung auf 10 bis 15 Schüler*innen pro Raum, da so vertraute und zusammen gut kooperierende Gemeinschaften getrennt wurden.


Trotz der ganzen Regeln gab es dennoch eine Möglichkeit, das Gemeinschaftsgefühl zu stärken: Auch dieses Jahr konnte das Abicafé – wenn auch eingeschränkt – stattfinden. „Die Schüler wurden bis zum Ende begleitet und nicht alleingelassen.“, erklärte Frau Brostmeyer und hob damit die Bedeutung dieser Tradition hervor. Obwohl es somit innerhalb der Prüfungen wenig Abweichungen zum sonstigen Verlauf gab, „das Davor und Danach war definitiv anders.“ (Joel Herrmann, Q4)


Trotz Stress keine Belohnung?


Ist es nicht das, worauf man sich bereits Jahre im Voraus freuen kann? Ist es nicht das, was man monatelang und mühevoll plant? Und ist es nicht das, was eigentlich das Schönste an dem Ganzen sein sollte?

Wenn ihr euch jetzt fragt: Wovon reden die jetzt eigentlich?, dann ist die Antwort ganz klar: Es geht natürlich um den Abiball, den Abistreich, die Mottowoche und eine richtige Abschlussfeier.

Doch all dies konnten die Abschlussklassen in diesem Jahr nicht genießen. Demnach war die Enttäuschung sowohl bei den Schüler- als auch bei Lehrer*innen groß. Vereinzelte Ausnahmen gab es dennoch oder wie es Hannes Fuhrmann aus der R10a beschreibt: „Ich find’s nicht schlimm, meine Mutter und meine Schwester trauern da mehr hinterher.“

Die Mehrheit ist allerdings sehr darüber erfreut und vor allem dankbar, dass die Zeugnisübergabe nicht per Post, sondern persönlich in der Turnhalle der Schule stattfinden und per Livestream an Familie und Freunde übertragen werden darf.

Ein Blick in die Zukunft


Den jetzigen Abschlussklassen werden wir zwar nach den Sommerferien in der Schule nicht mehr begegnen, aber für den Rest von uns wird der Schulalltag weitergehen. Aber wie genau soll das eigentlich funktionieren?



Die bestmögliche Perspektive wäre natürlich eine Schule ohne Corona, damit wieder mehr Normalität auch zum Wohl der Schüler*innen in die Schule einzieht, was leider nicht möglich sein wird. Jedoch gibt es bisher noch keine konkreten Vorstellungen und Pläne für die Zeit danach, zum Beispiel, wie der fehlende Unterrichtsstoff aufgeholt werden soll, weil darauf in den zukünftigen Prüfungen keine Rücksicht genommen wird.

Auch wenn es Befürchtungen einer zweiten Infektionswelle gibt und Vorsicht immer noch das Gebot der Stunde ist, besteht letztendlich dennoch der Wunsch, dass wieder der Regelbetrieb eingeführt werden kann.

Die außergewöhnliche Corona-Situation hat demnach besondere Maßnahmen und natürlich viel Kraft gefordert. Bereiche wurden aufgezeigt, die durchaus ausbaufähig sind und an denen noch Verbesserungspotenzial möglich ist. Trotz allem wurde aber die besondere Lage sowohl von Schülerseite als auch von Lehrerseite gut gemeistert und hat letztendlich vor allem den Zusammenhalt unserer Schule bewiesen, was Herr Heinzerling mit dem folgenden Satz nochmal auf den Punkt brachte. Er betonte:


„Der Zusammenhalt zwischen dem Kollegium und auch der Zusammenhalt zwischen Kollegium und Schülern ist toll! Diese Schule ist, was das angeht, genial […] Und deswegen bin ich auch so gerne hier, weil ich weiß, das funktioniert miteinander.“

In diesem Sinne: Hakuna Matata!



Calantha, Johanna, Laura

Wir danken allen Lehrerinnen und Lehrern, Schülerinnen und Schülern, die sich für das Interview bereit erklärt und unsere Fragen beantwortet haben. Auch die Hauptschulklassen hatten zu diesem Zeitpunkt ihre Abschlussprüfungen - leider hatten wir jedoch keine Möglichkeit, mit diesen ein Interview zu führen.

Wir beglückwünschen alle Abschlussschülerinnen und -schüler recht herzlich und wünschen Euch alles Gute und viel Erfolg für Eure weitere Zukunft!

Bleibt gesund!

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